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Johann Johann Cornies I. ∗1789 †1848

#44146

Das einzige Porträt des Johann Cornies I. stammt von Tobias Voth, 1827
dieses Bild bekam Frieda Dück von Johannes J. Wiebe in 1957.

Als tiefbetrübte Johann Cornies junior nach dem Tode seiner ersten Frau stark zur Schwermut  neigte, war er auf des Vaters Rat hin nach Preußen gefahren, um sich dort zu zerstreuen.  Seine beiden Kinder, ein Knabe (Johann Johann Cornies III.) und ein kleines Mädchen, blieben bei den Großeltern zurück. Während er noch in Preußen weilte, starb ihm  daheim die Mutter. Der selbst tief betrübte Vater, der infolge dieses  Verlustes eine unheilvolle neue Aufregung beim fernen Sohne befürchtet, teilt ihm  die traurige Nachricht in schonendster Weise mit.

 

                                                                              5.April 1847.

 

                               Mein lieber Sohn!

 

Deine l. Mutter, die sich am Mittwoch gleich nach Ostern stark erkältete, wurde krank; die Krankheit mit starkem Durchfall, entkräftete sie schnell in solchem Grade, dass der gleich herbeigerufene Arzt, obgleich der Durchfall von selbst sich setzte, durch seine ärztliche Hilfe wohl Linderung verschaffte, aber zur Hebung der Krankheit nichts wirken konnte; sie wurde immer schwächer und schwächer und- verschied- zu unserm Leidwesen, am 5ten Tage ihrer Krankheit, den 30. März, 2 Uhr nachmittags zu einem besseren Leben und wurde am 2. April auf dem Gemeindebegräbnisplatze in Ohrloff begraben. So schmerzlich mir, Dir und uns allen das Hinscheiden der lieben Mutter auch sei, so muß uns doch der Gedanke zur einzigen, größten Beruhigung dienen, daß die Entschlafene sich schon längst durch das Jahre lang fortwährende Kränkeln zu dieser Auflösung christgläubig und standhaft vorbereitet hatte und seelenruhig einschlummerte.

 

Das Wenige kann ich Dir nur väterlicher Liebe zur Aufrichtung und zum Troste schreiben, aber in der Hoffnung gewiß, daß Du Dich in den unerforschlichen Ratschluß Gottes fügen und Dich nicht darüber der anhaltenden übermässigen Trauer und Schwermut überlassen wirst; denn: "Was Gott tut, dass ist immer gut!"-

 

Du weiß, dass die Mutter eben so sehr wie ich wünschte, dass Du die Reise nach Preußen machen möchtest; auch munterte sie mich an, Dir zu schreiben und zu erlauben, noch weiter als nach Preußen zu reisen; daher sei unversagt und verfolge den Zweck Deiner Reise. Gott schenke Deinem Herzen stille Ruhe und heitere Zufriedenheit! Den Schmerz wird Dir die Zeit nach und nach mildern. Dieses ist der einzige Wunsch und Rat Deines Dich herzlich liebenden Vaters.- Amen!

 

 

 

 

Denkmal für Johann Cornies in Ohrloff

Cornies junior blieb in der Tat längere Zeit in Preußen und fand dort seine zweite Lebensgefährtin. Sein dringender Wunsch und Bitte war, wenn dem Vater nicht möglich oder zu beschwerlich sein sollte, so möchte doch die einzige Schwester mit ihrem Gatten- Wiebe- zu seiner Hochzeit nach Preußen kommen. Der Vater willigte in den Wunsch des Sohnes und ließ die Kinder ziehen. Der Abschied war für beide Teile sehr schmerzlich. Vielleicht lag schon etwas wie Todesahnung auf dem Gemüte des greisen Vaters. Und in der Tat: die Kinder sollten alle zusammen das Antlitz ihres teuren Vaters nicht mehr sehen.

 

"Am 29.Februar 1848 legte er sich ins Bett. Es war die Halsbräune, die ihn niederzwang. [...] Seine Kräfte schwanden in Wirklichkeit mehr und mehr. Cornies war ein sehr geduldiger und ruhiger, ganz in den Willen Gottes ergebener Kranker. Als ihn einmal jemand bemitleiden wollte, weil keins seiner Kinder bei ihm sei, um ihn in der Krankheit zu pflegen, wehrte er mit der Worten ab: "Die können mir doch nicht helfen."

Am 13. März 1848 schlug seine Todesstunde."

Von den Seinen war nur die mutterlose jüngste Enkelin bei ihm. So starb er ohne seine Kinder am Sterbebett zu haben. Sein Bruder David begleitete ihn auf diese letzte Reise.

"Am 16. März war das Begräbnis. Es war sehr groß und trug wie nie zuvor und später in den Kolonien einen internationalen Charakter. Außer den Mennoniten aus all den umliegenden Dörfern, waren Hutterer, Russen und Nogaier gekommen, zum letzten Mal in das Angesicht ihres toten Freundes zu schauen und von ihm Abschied zu nehmen. Weil das Haus die Gäste bei weitem nicht fassen konnte, hatte man die Leiche auf dem Hof aufgebahrt. Ein endloser Zug bewegte sich dann zum Friedhof. Liebe und Treue geleiteten den verewigten "Vorsitzer" zur Grabesruhe. Ein Jahr später haben seine Verwandte und Freunde Cornies ein Denkmal gesetzt, eine gebrochene Marmorsäule. Nach der Überlieferung soll der Verstorbene es so gewünscht haben zum Ausdruck dessen, dass das von ihm begonnene Werk noch nicht vollendet sei."3 

„Sanft ruhe ihre Asche!" das war neben dem Datum der Geburt und des Todes von Johann Cornies und dessen Frau (die Beide in einem Grabe liegen), die einzige Inschrift, welche sein Grab in Ohrloff enthilet. Das Denkmal von Johann Cornies wurde vom Steinhauer Heinrich Hamm aus Chortitza hergestellt und ist leider den Stürmen der Zeit zum Opfer gefallen ist. Ich bin 2013 an diesem Friedhof gewesen- ein ganz trauriger Anblick, nur ein paar Grabsteine sind noch da. Das Steppengras, welches sich auf dem ganzen Friedhof verbreitete, war ganz schwarz vom kürzlich hier herschendem Feuer. Wo Johann Cornies Grab gewesen ist, weiß leider keiner.

 

Sein Schwiegersohn Philipp Wiebe schrieb: "1848 den 13 Maerz vollendete mein Lieber Schwiegervater und unvergeßlicher Wohltäter Johann Cornies 4 Uhr 45 Minuten Nachmittag in dem Alter von 58 Jahren 7 Monate und 20 Tage. Die Beerdigung fand am 17 (? 16.) Maerz statt, der Aelteste B. Fast hielt die Leichenrede über  Marci 13 Vers 31."2

 

Dieser verfasste nach dem Tod von seinem Schwiegervater ein Gedicht:

 

Muthig gingst du die Bahn 

Deiner langen Lebensreise;

Alle, die dich kannten sah´n 

Oft in dir, den wackren Greise,

Vorbild stiller Thätigkeit, 

Muster weiser Mäßigkeit.

 

Manchen Kummer, manchen Schmerz 

Hast du Guter, hier empfunden

Oefter blutete dein Herz 

In des Lebens Prüfungsstunden;

Aber nie schwand dir die Muth:

Gott, sprachst du, macht Alles gut.

 

Vor der ew´gen Liebe Thron 

Find´st du die Vorangegangnen,

dort wirst du auch deinen Lohn, 

Aus des Vaters Hand empfangen;

Der uns, seine Kinder, liebt,

Selbst, wenn er uns tief betrübt.

 

Alle, die du hier verläßt, 

Kinder, Enkel, Blutsverwandte,

Und der Greise kleiner Rest, 

der dich Freund u. Bruder nante,

Folgen dir in kurzer Zeit

Nach, in jene Ewigkeit.

 

Deinem Leibe wünschen wir 

Ruhe in des Grabes Stille;

Bald vielleicht wird hier bei dir, 

Modern unsers Geistes Hülle.

Wohl uns, wenn wir einst, wie du, 

Schließen unsre Augen zu!

 

19 Juli 1848, Ph. Wiebe, 

Ohrloff.2

 

„1789—1848, zwei denkwürdige Revolutionsjahre. Auch Johann Cornies war ein Aktivist. Aber er war mehr als ein Revolutionär, er war ein Evolutionär, ein gottwillig und gutwillig Wirkender, wirwillig der Natur verdungen, dem Gewissen unterstellt.“ 1

Dem Johann Cornies wurde schon zu Lebzeiten höchste Anerkennung zuteil. Am 22. Oktober 1825 besuchte ihn Kaiser Alexander I. in seinem Hause. Es lag Majestät am Herzen, in dieser Holzarmen Gegend mit Anlagen von Holzbäumen Versuche zu machen.“4

1837 wurde Cornies dem Kaiser Nikolaus in Simferopol vorgestellt, der ihn einen alten Bekannten nannte und ihm für die Bemühungen um die Nogaier dankte. Im gleichen Jahr suchte ihn der Großfürstthronfolger Alexander Nikolajewitseh in Juschanlee auf. „1837 am 16. Oktober reisten Kaiserliche Hoheit der Großfürst und Thronfolger Alexander Nikolaewitsch durch die Kolonien und beehrte auch das Vorwerk Juschanlee mit einem Besuche.“4

Weitere großfürstliche Besucher folgten, nebenher die Besuche höchster Staatsbeamten und Staatswürdenträger.

"1845 kam der Großfürst Konstantin Nikolaewitsch nach Juschanlee, doch konnte Cornies, der daheim in Ohrloff krank lag, ihn leider nicht persönlich begrüßen. Der Großfürst jedoch sandte seinen Leibarzt zu ihm, damit dieser ihm Nachrichtüber das Befinden des Kranken bringe.

Bei solchen Gelegenheiten wurden dem schlichten Mennoniten, der jeden Orden oder sonstige Auszeichnungen dankend ablehnte, von den Allerhöchsten Herrschaften verschiedene Schmuckstücke zum Geschenk gemacht als: goldene Tabaksdosen, mit Brillanten besetzte Broschen usw., welche sich teilweise noch im Besitze der Familienglieder befinden.

Cornies wurde auch ein Orden angetragen, doch er lehnte nicht nur diesen, sondern auch eine goldene Medaille, auf der Brust zu tragen, ab, dagegen nahm er eine einfache Denkmünze an, die einer erstklassigen goldenen Medaille gleich kam.

Die Denkmünze war 3/4 Pfund schwer, trug Cornies´ Namen und auf der Rückseite die Aufschrift: „Sa Ußerdije“ („für Tüchtigkeit“). Noch bis vor einigen Jahren befand sich dieses kostbare Andenken in dem Besitz des Enkels Joh. Cornies- Tatschenak. Bei einem Einbruch aber wurde auch die Kommode aufgebrochen und das Wertstück gestohlen. Das Diplom ist jedoch noch vorhanden."0

Im Sommer 2016 fand ich an einem Trödel eine alte Denkmünze mit der Aufschrift „Sa Ußerdije an einer Seite und dem Bild von Alexander I. auf der anderen Seite. Ich habe diese alte Münze gekauft, so ähnlich sollte auch Cornies Münze ausgesehen haben.

 

 

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1909 ist das Buch "Johann Cornies" von David Epp erschienen. Meine Großeltern besaßen einen Exemplar, leider ist es abhanden gekommen. Zum Glück konnte ich eine Ausgabe des Buches von 1946 erwerben.

Aus dem Tagebuch vom meinen Großvater Heinrich Dick :"24.09.1944. Schon 5 Tage Landregen. Sonntag. Hackte Holz, schälte Kartoffel und machte Feuer, nachdem Frieda Glut von der Nachbarin gebracht hatte. Inzwischen, während Frieda am Herd schaffte, lass ich aus Hilty’s “Glück” vor,[...] . Dann lasen wir uns aus “Johann Cornies” den Abschnitt “Cornies als Mensch”. Mit aller Gewalt hat uns dieses in unsre früheste Vergangenheit zurück versetzt. Es ist doch ein Vergeben gegen Geschichte und Kultur, dass das alles in den Kot getreten ist."

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29. Januar 1835

Quelle:

 

 0  D. H. Epp, Johann Cornies, (Steinbach 1946)

 1 Ernst Behrends, Ostdeutsche Monatsheft, Oktober  1959

 2 Privatarchiv Heiderun v. Issendorff

 3 H.Goerz, "Die Molotschnaer Ansiedlung", Lichtzeichen Verlag GmbH, Lage, Seite 68

 4 Franz Isaak „Die Molotschnaer Mennoniten.“, 1908, Seite 13, 21