Sie sind hier:  Cornies > Johann Johann Cornies III. > Olga Cornies

Eltern: Johann Cornies, Katharina Epp 

  Johann Neufeld

Kinder: Johann, Vera, Olga, Alice

Olga Johann Neufeld, geb. Cornies ∗1877 †1947

#670880

Olga Neufeld, [5]

 

 

 

Olga Cornies, die Tochter vom Johann Johann Cornies III., geboren am 23.September 1877 (Taschenak), gestorben am 19. Dezember 1947 (Waterloo, Ontario, Canada).

Am 13. Mai 1899 heiratete sie Johann Neufeld #670879 aus Rosenhof. Sie wohnten auf Taschenak. Olga erbte von ihrem Vater Johann Cornies III. 559 Desjatin Land auf Tatschenak. Johann Neufeld ist 1920 gestorben in Ohrloff.

Nach dem Tod ihres Mannes emigrierte die 44 jährige Olga mit ihren Kindern nach Kanada. Sie erreichten auf dem Schiff „Minnedosa“ Quebec am 14. Juli 1924.

 

Kinder:

Johann (1900 - 1967)

Wera (1902 - 1985)

Olga (1904 - 1996)

Alice (1907 - 1994)

Olga Neufeld mit den Kindern, Alice, Johann, Wera und Olga, [5]
Olga Neufeld, geborene Cornies, [5]
links Alice, rechts Olga, die Töchter Von Olga, [5]
Wera, Tochter von Olga, [5]
aus Archiv Saporoje
aus Archiv Saporoje,
1913, Olga Neufeld, geborene Cornies erbte 559 Desjatin Land.
Molotschna historical atlas. Huebert, Helmut T. Winnipeg. 2003, Seite 341
Alt- Tatschenak Region, Karte 2013
[1]

1.  Privathaus

2.  Keller

3.  Waschhaus, "Banja"

4.  Nebenhaus, früher Abstellraum und Werkstatt

5.  Gebäude mit Wasserleitung

6.  Nebenhaus

7.  Schweinestall

8.  Kuhstall

9.  Kuhstall

10. Platz für Kühe

11. Pferdestall und Scheune

12. Ochsenscheune

13. Gemüsegarten

14. Brunnen

Diese Zeichnung vom Gut von Olga Neufeld entstand  in den 20er Jahren, schon nach der Revolution. Die Familie Neufeld wurde aus dem Haus vertrieben. Das Gut hieß bereits Sowchos „Neufeld“ (Совхоз «Нейфельд»)

(Ein Sowchos (russisch: совхоз, советское хозяйство) Sowjetwirtschaft war in der Sowjetunion ein landwirtschaftlicher Großbetrieb.)

Aus der Bestandsaufnahme der Immobilien und dem Land des Sowchoses „Neufeld“ vom 22.November 1922:

 

der Ackerboden 125,672 Desjatin

das Brachland 75, 129 Desjatin

der Weide 28,912 Desjatin

der Garten 12,230 Desjatin

der Gehöft 4,134 Desjatin

der Friedhof 0,854 Desjatin

die Wege 8,158 Desjatin

die Bewaldung 32,149 Desjatin

 

insgesamt 288 Desjatin

 

das bedeutet, dass Sowchos einen großen Teil des Landes von Olga Neufeld umfasste.

 

Im Garten wurden gezählt:

690 Pflaumenbäumen

134 Apfelbäumen

18 Birnenbäumen

80 Kirschbäumen

59 Aprikosenbäume

 

Fünf Jahre später wurde das Sowchos der „dritten Komintern“ genannt und später entstand hier eine Geflügelfarm, wo auch junge Leute ausgebildet wurden. Aus dem ehemaligen Privathaus wurde einen Ausbildungszentrum.  

Jetzt trägt dieser Ort den Name „Selenoe“ («Зелёное») „Grün“. Aus den erhaltenen Fotos kann man sich nur vorstellen, wie schön das Wohnhaus von Olgas Familie war. Die Fotos konnte Nikolaj Krylov zu der Zeichnung zuordnen.

Das Privathaus

auf dem Plan unter Nr. 1

 

Das Privathaus war 18 Arschin (12,8 Meter) lang, 32  Arschin (22 Meter) breit und 11  Arschin (7,8 Meter) hoch. Es gab 57 Fenster und 43 Türen.

[1]
2002, das Gebäude ist leer und zerfällt. [2]
[1]
die Rücksete des Hauses, 2002, [3]
2002, [2]
Eine Tür vom Haus, 21.07.2002. [2]
2002, Fragment von Fliesenboden im Haus, [3]
2002, Haupteingang, [3]
2002, Fragment des Hauses, [3]
Vom Haus sind nur Ruinen geblieben. [1]
2013, vom Haus ist nichts geblieben
2013

Nach oben

Waschhaus, "Banja"

auf dem Plan unter Nr. 3

2002, [2]

Nebenhaus, früher Abstellraum und Werkstatt

auf dem Plan unter Nr. 4

1978, [4]
2002, [2]

Kuhstall

auf dem Plan unter Nr. 8

2002, [2]

Pferdestall und Scheune

auf dem Plan unter Nr. 11

2002, [2]
links Nr.11, rechts im Hintergrund Nr.1, [4]

Ochsenscheune

auf dem Plan unter Nr. 12

links Ochsenscheune, rechts Pferdestall (Nr.11), ganz rechts mit einer Anbau Kuhstall (Nr.9). Im Hintergrund zwischen Scheunen sieht man das Privathaus (Nr.1), [4]
2002, [2]
2002, rechts Ochsenscheune, links Pferdestall (Nr.11), [2]
das Gebäude zerfällt. [1]

Nach oben

Flieder Gasse, [4]

Von Galina Golovanova aus Melitopol, welche in „Selenoe“ aufgewachsen ist,  bekam ich die Beschreibung des Hauses und auch einige private Fotos. 

„Das Gebäude hatte Terrassen zu den vier Himmelsrichtungen. Stellen Sie sich vor, dass wir eine schöne Treppe zur Südterrasse hochsteigen. Der Boden ist mit gelben gewellten gemusterten Fliesen, eine Produktion der Charkow Fabrik von Baron E. Bergengeym, bedeckt. Eine hohe geschnitzte Eichentür führt in die Halle, mit sehr schön gefliestem Boden. Auf der linken Seite des Eingangs sind zwei miteinander verbundene Zimmer. Auf der rechten Seite gibt es auch zwei Zimmer, eins davon ein großes Eckzimmer mit einem Mosaik Eichenparkett mit prächtigen Wandmalereien. Dieses Zimmer hatte einen Ausgang durch den Flur auf die Nordterrasse und den Speisesaal. Offenbar wurden hier die Gäste empfangen.

Eine Treppe aus weißem Marmor mit schön geformten polierten Eichengeländer führt nach oben. Auf dem Treppenabsatz zwischen den Etagen gibt es ein Fenster mit kleinen Buntglasscheiben. Die Wände in der Halle und im Treppenhaus sind bemalt mit Wasserlandschaften: Seerosen, Schwäne ...

Der Einwohner von Selenoe Anatoly Mikhailovich Chwostikow (geboren 1927) erinnerte sich, dass man die Ost und West Terrassen über das Obergeschoss  erreichen konnte. Die Terrassen hatten ein schönes Gusseisengeländer, mit Tiermotiven. Die mit wunderschönen Fliesen bedeckte Nordterrasse stand auf Betonsäulen. Das Geländer wurde sehr geschmackvoll aus geschnitzter Eiche angefertigt.

Dachziegeln aus Eiche deckten wie Fischschuppen das Haus. Außenfensterbänke wurden mit exquisiten Leisten mit modellierten Zapfen, Nüsse und Blätter verziert. Im Keller des Hauses  befand sich der Heizraum, Lagerraum und Wohnräume für Dienstpersonal. Wasserrohre waren aus Keramik und Edelstahl angefertigt, massive Heizkörper aus Bronze.

Die drei Nebenhäuser (für vier bis acht Familien des Dienstpersonals) hatten sehr massive mit roten Ziegeln ausgekleidete Keller, mit Nischen und Rundbögen am Eingang. Die Keller von zwei Häusern hatten einen Ausgang nach draußen. Sie wurden für die Herstellung und Lagerung von Wein und eingelegtem Gemüse verwendet. In einem der Häuser für vier Familien wurde der geräumige Flur mit rotem Backstein ausgekleidet. Dort stand ein russischer Ofen. Von dort konnte man durch Türen aus Eiche zum Dachboden und in den Keller gelangen. Die Haustür schloss man von innen mit einem massiven Stahlbolzen.  In einem der Räume an den Deckenbalken wurde ein großer Eisenhaken für die Kinderwiege befestigt.

Alle Gebäude im Gut von Olga Neufeld waren sehr sinnvoll zusammen gesetzt. In der Mitte war ein schöner Park mit Rosen, Zierbäumen und einem Brunnen, welcher sein kaltes, angenehm schmeckendes Wasser aus einer unterirdischen Quelle bekam. 

Die gesamte Anlage war sehr grün. Hinter dem zweistöckigen  Privathaus lag die Elm Gasse, die in die Flieder und Wacholder Gasse überging. Neben der Gasse befand sich  ein kunstvoll geschnitzter Pavillon, welcher von Wacholder umrandet wurde. Nicht weit entfernt lag eine Toilette mit aus Eiche geschnitztem Giebel (die Einheimischen nannten es "royal"). Etwas weiter, auf beiden Seiten der Flieder  Gasse, war der Obstgarten Weinberg, Maulbeere.“

 

 

Meine Cousine Kathy Rehberg aus Kitchener, Canada schrieb mir über Neufelds Haus

„In dem berühmten "Kleines Haus" sind Omas Cousinen (Neufeld-Tanten) aufgewachsen. Es lag auf dem Landsitz von Tatschenak, aber weiter weg von Omas Familienhaus. Oma erzählte, dass ein italienischer Maler angeheuert wurde, um Fresken mit Märchenmotiven in den Mädchenzimmern  zu malen. Oma hatte auch wunderschöne Fliesenarbeiten erwähnt. Als ich dort 2002 war, war das Haus gesperrt und zur Hälfte zerfallen, aber einige der Fliesenarbeiten blieben noch unversehrt. Wie auch beiden Ställe und eine Werkstatt, die zum "kleinen Haus" gehörte.“

Nach oben

"Mennonitische Rundschau", 7. Januar 1948 , Seite 3.

 

 

Waterloo, Ontario.

 

  Am 19. Dezember 1947, 11 

Uhr morgens, starb hier Witwe

Olga (Johann) Neufeld, geb.

Cornies, im Alter von 70 Jahren,

2 Monaten und 14 Tagen, nach 

einer längeren Krankheit, die uns

schwer vorkam, von der sie jedoch

sagte, daß sie nicht so schwer sei.

Sie erlitt am 14. Mai d. Ja.

einen Schlaganfall, und längeren

Zeit dachten wir, ihr Ende stände

unmittelbar bevor. Aber sie er-

holte sich wieder und durfte noch

etwas mehr als 7 Monate durch

ein Wunder Gottes mit den Ih

ren zusammen sein und konnte

sogar wieder zur Kirche kommen.

Aber Montag, am 15. Dezember,

erlitt sie wiederum einen solchen

Anfall, fühlte sich zuerst noch we-

nig unwohl, sprach und aß noch,

aber allmählich verloren sich die

Kräfte, und Donnerstag hob wohl

der Tod schon sein Werk an. Sie 

hatte noch wenige, kurze, lichte 

Augenblicke, in welchen sie die

Ihrigen und ihre Gäste erkannte,

aber dieser Augenblicke wurden

immer weniger, bis sie, bis ans

Ende versichernd, daß sie keine

Schmerzen fühle, Freitag diese

schwere Erdenluft zu atmen auf-

hörte, und das müde Herz stille

stand.

  Sie war bereit zum Sterben.

  Sie war die Ur-ur-Großtochter

des weithin berühmten Organisa-

tors Johann Cornies, dessen 

Stamm mit dem Tode von Jo-

hann Cornies hier im Jahre 

1936, dem Bruder der jetzt Ver-

storbenen, völlig erlosch. Es le-

ben noch weibliche Nachkommen

dieses Hauses, jedoch keiner aus

demselben trägt mehr den Namen 

Cornies. Der letzte männliche

Sproß dieses Stammes, der noch

unverheiratete Hans Cornies,

wurde von den Machnowzen er-

schlagen.

  Jetzt sieht unsere „Tante Ol-

ga“ die Geschichte von der andern

Seite und versteht manches, wo-

rüber wir noch gänzlich im Un-

klaren sind. Ob ihre jüngste

Schwester Justel (Frau Wilhelm

M. Janzen) noch irgendwo in

Rußland lebt, weiß hier niemand.

  Wie haben hier jetzt strengen 

Frost und tiefen Schnee.

  Montag, am 22. Dezember sol-

ten die sterbliche Ueberreste von

Frau Neufeld der Erde überge-

ben werden.

              Jacob H. Janzen

 

Olgas Grab in Kitchener, Kanada, 2015

Quelle:

1 Fotos vov Nikolaj Krylov aus Melitopol

2 Fotos von Anatolij Prosorow-Reger mit Informationen von Adina Reger. Deutschland

3 Fotos von Kathy Rehberg, Canada

4 Fotos von Galina Golovanova aus Melitopol

5 Fotos von Maria Bartel (Tochter von Justina Janzen)

 

 

Nach oben